Bei Wind und Regen auf dem Neckar

Was steckt hinter dem Begriff „Neckarpokal“? Eine Wanderfahrt von Esslingen nach Mannheim oder doch etwas mehr. Es ist mehr, denn es gilt die knapp 196 km von Esslingen nach Mannheim in nur 24 Stunden zu bewältigen. Die Pausenzeiten inbegriffen versteht sich. So starteten am 11.06.2006 5 motivierte Ruderinnen und Ruderer in Esslingen um dieses Ziel zu erreichen. In drei Tagen von Donnerstag 11.06.2009 bis Samstag 13.06.2009.

Donnerstag, es ist 5:00 Uhr und keiner will so recht jetzt schon aufstehen. Trotzdem sind alle pünktlich um 6:00 Uhr im Bootshaus auf der Neckarinsel anwesend, Da das Boot schon am Vorabend für die große Fahrt gerichtet wurde blieb nur noch das Verladen des Gepäcks und der Verpflegung übrig. Um in Stundenrhythmus zu bleiben ging es dann auch pünktlich um 7:00 Uhr los. Der Anfangs noch blaue Himmel bewölkte sich mehr und mehr. Sollte der Wetterbericht doch recht behalten. Schauer und mäßig bis böiger Wind aus westlichen Richtungen! Um es vorweg zu nehmen, es stimmte Alles. Schon nach nicht mal 10 Kilometeren überraschte uns der erste Platzregen im Stuttgarter Hafen. Im weiteren Verlauf des Tages erwischte uns auf jeder Etappe eine Ladung Wasser von Oben.

Der erste nennenswerte Zwischenfall ereignete sich zwischen KM 172 und KM 166. Der inzwischen stark aufgefrischte (Gegen)Wind erforderte guten Beineinsatz der Mannschaft. Dies führte dazu, dass das Stemmbrett des Bugplatzes mit Albrecht‘s Beineinsatz seinen „Geist“ aufgab. Genau an der Befestigungstelle der Fersenhalter brach das Rohr durch. Die notdürftige Reparatur mit Hammerstiel, Kunststoffleisten, viel Klebeband und einem Spanngurt kostete uns gut 30 Minuten. Dafür konnte danach der Bug wieder voll in die „Eisen“ treten.
So ruderten wir unserem Tagesziel Heilbronn ohne weitere Zwischenfälle entgegen. Dort angekommen fanden wir zu unserem großen Glück den Trainer in der Bootswerkstatt vor. Mit dessen Hilfe und weiteren gesprächigen Ruderkamerdinnen und Kameraden reparierten wir das Stemmbrett auf professionelle Weise. Zum Abschluß des Tages, und den 84 bis dahin geschafften Kilometern, gingen wir in die uns bereits bekannte Pizzeria zum Energie auftanken.

   

Freitag, schon wieder erst 6:00 Uhr. Zeit zum Aufstehen und Frühstücken. Zum Glück hat der Regen nachgelassen. Nur der Wind bläst aus unterschiedlichen Richtungen, jedoch immer als Gegenwind, fröhlich weiter. Leider ist die alte „Wilhelms-Schleuse“ im Seitenarm des Neckars nicht mehr in Betrieb, sodass wir den kurzen Weg zum Hauptarm wieder zurückrudern müssen.
Weiter im gewohnten Trott spulen wir Kilometer für Kilometer ab. Vor der Schleuse Neckarzimmern bei KM 86 , Anke und Ich haben mal wieder Landdienst, eine große Überraschung. Langsam schiebt sich ein Katamaran aus zwei Vierern à la Faifegrädler auf die Schleuse zu. Im Bug, stehend ein Mann mit Stock, im Anschluß 6 Männer älteren Semesters einträchtig nebeneinander sitzend und trinkend. Der krönende Abschluß, am Steuerrad und Gashebel Ruderkollege Nummer 8. Im Boot dahinter, diesmal mit Skull-Antrieb die jungen Wilden. So rudert es sich im Norden bei den Kameraden von der Ruhr.
Nach weiteren 10 Minuten ist dann auch der Staffelsteiger an der Schleuse angekommen. Nach dem obligatorischen Wechsel kommen auch wir in den Genuss des Schleusens. Unten angekommen, schließlich sind wir ja auf einer Wettfahrt, Alles vorwärts – los – und hinterher.
Nach drei Kilometern, auf Höhe des Neckarelzer Ruderclubs, haben wir die Boote eingeholt und nebenbei gleich einen Frachter mit überholt. Der musste wegen Gegenverkehr langsam machen. Angespornt durch den Streckenschlag von unserem Senior Hans-Jürgen trieb uns der Frachter 6km vor sich her, bis er uns endlich überholte. Wir hängten uns dann gleich in den Windschatten, so schnell geben wir nicht auf. Da diese Etappe etwas über 13km lang ist fehlten uns noch ca. 4km bis zur Schleuse. Da wir trotz der Kurven immer in Sichtweite des Frachters blieben übernahm Hans-Jürgen kurzfristig den Telefondienst während Anke und Ich unser Bestes gaben den Frachter nicht entkommen zu lassen. Glücklicherweise war der Frachter nur 86m lang und der Schleusenwärter in Guttenbach gestatte uns, hinter dem Frachter in die Schleusenkammer einzufahren.
Mit Hilfe der überaus freundlichen und zuvorkommenden Schleusenwärter schafften wir es bis zur Schleuse Heidelberg bei KM26 mit dem Frachter mitzuhalten. In Neckarsteinach schleuste uns der Schleusenwärter sogar parallel zum Frachter. Einzige Bemerkung „Ihr seid ja viel schneller in der Kammer wie der mit seinem Motor“.
In Heidelberg wurden wir ebenso freundlich wie in Heilbronn empfangen.  Bei Sonnenschein und guter Laune genossen wir auf der Liegewiese vor dem Heidelberger Ruderklub ein Feierabendbier. Nebenbei schauten wir dem Frauen- und Männerachter beim Training zu. Anschließend stopften wir uns die Mägen mit „HRK-Schnitzel“ und Pommes voll. Um 22:30 Uhr zogen wir uns dann in den „gelben Salon“ zur Nachtruhe zurück.

Samstag 7:30 Uhr. Wieder Sonnenschein und auch weiniger Wind. Da es nur noch 24km bis zum „Nuller“ sind stehen wir etwas später auf. Um kurz nach 8:00 Uhr sind jedoch schon wieder die ersten Trainingsruderer da und beleben das Bootshaus.
Es läuft alles weiter wie am Schnürchen. An der Schleuse Schwabenheim wird wieder perfektes Timing praktiziert. Der Dreier kommt mit der Ausfahrt des Bergfahrers an der Schleuse an und kann sofort einfahren. Wir tauschen in der Kammer, da im Unterwasser schon ein großes Fahrgastschiff wartet. Hoffentlich weiß der Kapitän, dass wir erst raus müssen bevor er rein kann! Nach Öffnung der Schleusentore drängt der mächtige Bug auch schon herein. Wir schlängeln uns vorbei und gleiten weiter dem Ziel entgegen. Der Landdienst nimmt hier unseren abgestellten Bootsanhänger mit und kommt zum letzten Wechslepunkt an die Schleuse Feudenheim bei KM6,2.
Auf den letzten Kilometern passiert nichts Spektakuläres mehr. Am „Nuller“ gibt es das verdiente Abschlußbild mit Sekt. So schön wie dieses Mal war es schon lange nicht mehr.


Teilnehmer waren Anke Gähr, Frank Maschkiwitz, Hans-Jürgen Eberhardt, Albrecht Hannig und Frank Elke Maschkiwitz.

Die benötigten Zeiten werden dann am 06.01.2010 am Drei-Königsrudern bekanntgegeben. Ich hoffe dass sich bis dahin noch Mannschaften finden, um diesem Wettbewerb wieder einen Anreiz zu geben.
Bis zur Verleihung wird es dann auch einen richtigen „Pokal“ dazu geben. Also, auf geht’s.