AH-Wanderfahrt 2008

auf Elbe, Elbe-Lübeck-Kanal, Trave, Wakenitz, Ratzeburger See, Domsee, Küchensee, Salemer See, Pipersee, Phuhlsee und Schaalsee

AH `s auf Wanderfahrt

„Hoch soll er leben...“, so erschallt es im Hafen von Hitzacker an der Elbe. Vor uns stehen 14 gefüllte Gläschen mit Schwarzwälder Kirsch, die von uns auf das Wohl unseres Senior-Wanderfahrer Rudi in einem Zug geleert werden. Rudi feierte am Vortage seinen 78. Geburtstag, und das war für uns Grund, auf ihn und auf den Beginn unserer diesjährigen AH-Wanderfahrt anzustoßen.

Montag

Genau 642 Fahrkilometer mit Navi „Elfriede“ liegen hinter uns. Nach 9 Stunden Gesamtzeit erreichen wir den Startpunkt unserer siebentägigen Rudertour – wieder einmal im Norden unseres schönen Vaterlandes.

Wir Esslinger werden von 3 Ratzeburger Ruderer, mit denen wir seit zehn Jahren (das ist ein kleines Jubiläum) viele gemeinsame Fahrterlebnisse teilen. empfangen uns in dem von Bauzäunen umgebenen Hitzacker Hafen. Nach dem „Aufbereiten“ von drei Booten – ein viertes bleibt auf dem Hänger  liegen -  beziehen wir im Gasthof „Bürgerstube“ unsere Zimmer. Später führt uns Bernhard H. (bei uns für Kultur zuständig) durch die inzwischen schummrig gewordene Altstadt.

   

Im Wendlandstädtchen Hitzacker spürt man den niederdeutschen Bürgerfleiß. Das industriearme Gebiet (Flachsweberei und Flussschifffahrt) putzte sich inzwischen zu einer Erholungsoase für den Fremdenverkehr heraus. Die Residenz Hitzacker konnte bis heute ihren mittelalterlichen Charakter bewahren. Der alte Stadtkern liegt romantisch auf einer kleinen Insel zwischen zwei Armen des Flüsschens Jeetzel. Einfache Fachwerkhäuser (aus dem 17.-19. Jh.) prägen das Gesicht der Altstadt. Berühmt ist die Bibliothek. Das „Alte Zollhaus“ beherbergt das Heimatmuseum. Der holländische Prinz Claus von Armsberg (geb. 1926) stammt von hier; wir beäugen sein Denkmal, das die Königin Beatrix nach seinem Tod 2002 einweihte. Wir erklimmen – inzwischen im Regen – den kommunalen Weinberg (Kommentare: „Ist er es wirklich? ... Ich sehe ihn nicht ... Ich auch nicht...“) und schlendern  am noch wenig pulsierenden Hafenleben vorbei. Die Bürgersteige finden wir inzwischen hochgeklappt vor, die potentiellen Pinten für unseren „Absacker“ sind schon dunkel – so auch unser Herbergslokal. Auch beim Griechen erhalten wir nichts, da der Wirt verärgert brummt, die Gruppe sei vor wenigen Momenten vorbeigezogen, ohne sein Angebot zu beachten. Nur Wolfram hat noch kurzzeitig etwas Glück beim Pizzawirt.

Dienstag

Die Elbe führt (etwas?) Hochwasser – gottlob nicht so hoch wie es 2002 und 2006 war, als hier auch eine größere Überschwemmung herrschte. Hitzacker erhält nun einen längeren Hochwasser-Schutzwall und ist zur Zeit eine riesige Baustelle.

   

Die Ruderfahrt beginnt im Regen, und der will gar nicht mehr aufhören; die Kälte tut zusätzlich ihr weiteres, so dass unsere Steuerleute sehr leiden müssen. Beim Clubhaus der Motorbootfahrer im Yachthafen von Bleckede finden wir einen Unterschlupf (Überdachung). Der urige Hafenmeister Manfred empfängt uns herzlich und setzt sogleich viel Wasser für einen heißen Tee mit Rum auf - oder vielmehr Rum mit heißen Tee. Winni besorgt einen weiteren Buddel davon, denn die Ruderer sind durchnässt und –gekühlt. Hinzu kommt, dass beim Verlassen eines Bootes am Motorsteg dieser durch die Last von fünf Ruderknechten absackt und mit ihm einige Bootsinsassen, die nun - völlig von unten durchnässt sind – ihre Wäsche wechseln müssen. Dazu trägt später noch etwas das Umschütten von gleich zwei Flaschen Bier durch unseren “redegewandten“ Kulturwart bei. Das Picknick schmeckt vorzüglich, denn unser Verpflegungsexperte Klaus hatte für uns leckere Dinge besorgt. Die inzwischen fröhliche Runde erfährt nun vom FL Fritz B., dass die Fahrt an diesem Tag als beendet gilt, was alle begrüßen, denn es gießt immer noch aus Kübeln.

   

Wir fahren zur JuHe Lauenburg und wärmen uns unter einer heißen Dusche gut auf. Wenig später lauschen wir den Erklärungen von Bernhard H. über die wechselvolle Geschichte der Grafschaft Lauenburg und der Stadt, klettern auf der sog. „Himmelstreppe“ von der Ober- in  die Unterstadt, um danach in der „Alten Schifffahrt“ einzukehren. Wir besehen den „Rufer“, das Schloss der Herzöge von Sachsen-Lauenburg (nun Sitz der Stadtverwaltung), die (verschlossene) ev. Maria - Magdalenen – Saalkirche (13. Jh.) und die vielen schönen Fachwerkhäuser in der bekannten Elbstraße. Vom Schlossturm (15. Jh.) blicken wir auf den breiten Elbstrom hinunter. Lauenburg ist ein Elbhafen mit Tradition.

Mittwoch

Hafenmeister Manfred, der auf dem Gelände des Motorbootvereins als Wachmann übernachtet,  empfängt uns wieder frohgelaunt und bietet seine Hilfe an. Er verabschiedet unsere Boots-Armada mit kräftigen Trompeten-Signalen, die wir mit dem Rudergruß erwidern.

   

Wir können es kaum glauben: „Klärchen“ Sonne bahnt sich durch den Bodennebel ihren Weg. Auf der Elbe gleiten unsere  Boote mit ruhiger Schlagzahl dahin; nur wenige „Kümos“ (Küstenmotorschiffe) überholen uns oder kämpfen sich sogar stromaufwärts. Die Flussströmung empfinden wir als relativ stark. Am Ufer erblicken wir einen früheren Wachturm der Stasi, denn das rechte Elbufer bildete vor 1989 die Staatsgrenze der DDR.

Die Elbe begrenzt hier direkt die Lüneburger Heide. Viele Lerchen zirpen, der Kuckuck ruft uns viele Tage nach, die ebene Flusslandschaft beeindruckt uns „Südlichter“ sehr. 

   

Wir erreichen nun die Werfstadt  Lauenburg auf dem Wasser und biegen hier mit den Booten scharf in den Elbe-Lübeck-Kanal ein. Der Vorläufer dieser Wasserstraße bildete vor rd. hundert Jahren die erste Schiffsverbindung zwischen Ost- und Nordsee. Nach der sog. „Palmschleuse“ rudern  wir an diesem Tag noch bis zur Wassersport-Freitzeitanlage (Yachthafen) von Güster. Das Mittagsvesper hatten wir bei der Schleuse Witzeese eingenommen. Insgesamt werden wir auf diesem Kanal an 3 Schleusen aufwärts und an 5 Schleusen abwärts geschleust.

   

Mittwoch der 2. Gruppe

Nach 5 erlebten Staus auf deutschen Autobahnen und 8 Stunden Fahrt kamen Heinz, Christoph, Stybi und Bernhard um 22 Uhr im Ratzeburger Hotel Vittler an, wo sich der Rest der Mannschaft bestens gelaunt aufhielt und uns freudig erwartete. Jedoch blieb die Küche kalt, womit die erste interkulturelle Erfahrung erzwungen wurde - nämlich, dass sich in diesen fremden Gefilden hinter Mettwurst - Salami verbirgt. Gesättigt ging es dann zur Jugendherberge.

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