Die Rückkehr des Dirndlachters

Sandra Luptowtisch vom RVE und die Mädels aus München, Würzburg und Kiel
sind beim Women’s Head of the River Race (WHoRR) in London schnellstes deutsches Boot.

Samstag, 3. März kurz vor 11 Uhr. Die Themse in Höhe der Londonder Chiswick Bridge kocht: 287 Frauenachter paddeln verteilt auf fast zwei Kilometer entlang beider Ufer gegen die Strömung an. 2583 Frauen warten ungeduldig, dass endlich das Signal zum Wenden kommt – das Signal zum Start des 72. Women’s Head of the River Race. Mitten drin liegen wir mit der Startnummer 37: Der MRC vertreten durch Judith Obrocki, Steuerfrau Kathi Kitzing, Konny Kreiser und Jutta Deuschl, unterstützt von den drei Würzburgerinnen Fides und Lea Piepenbrink und Britta Petersen sowie der Kielerin Gaby Schulz und Schlagfrau Sandra Luptowitsch aus Esslingen.


Beim einsetzen bekommt man schnell mal kalte Füße

Fast sieben Kilometer liegen zwischen der Chiswick Bridge und dem Ziel an der Putney Bridge. Nur ungern schält sich unsere Mannschaft, die unter ARC Würzburg melden musste, um die 2011 erruderte gute Startposition wieder einnehmen zu dürfen, aus den blauen MRC-Westen. Die Fahrt zum Start war begleitet von wechselnden Winden und Sprühregen. Doch zwei Minuten vor 11 Uhr kommt die Sonne heraus: Für einen blau-weißen Himmel reicht es nicht ganz, aber wir nehmen es als ein gutes Zeichen – heut ist unser Tag!

Drei Boote hinter den Bayern liegt der vermeintliche Gegner – ein stark besetztes Boot aus Hannover. Doch kaum hat der Dirndlachter die Startlinie mit beherzten 35 Schlägen pro Minute passiert, kommt der Druck von einer ganz anderen Mannschaft: Die Startnummer 38 aus Southhampton hält den Standardabstand am Start nicht ein und schiebt sich Schlag für Schlag an das Janousek-Leihboot der Bayern heran. Zwar fehlen uns die gemeinsamen Kilometer – Arbeit, Studium und nicht zuletzt das Eis ließen keine gute Vorbereitung zu. Aber es fehlt nicht am gemeinsamen Kampfgeist und dem gemeinsamen Technikgefühl. Die Zehner, die Kathi ansagt, sitzen, der Dirndlachter hält dagegen. Und Kathi hält das Boot eisern in der Ideallinie – die Strömung gibt jedem Schlag zusätzlichen Vortrieb.


Der Dirndlachter in voller Fahrt

Nach der Hälfte der Strecke verlieren die Engländerinnen in der Nummer 38 die Nerven und rutschen aus dem Bord-an-Bord-Kampf weiter nach hinten. In voller Fahrt überholen wir die Startnummer 33. Dann kommt die Hammersmith-Bridge mit ihrer langgestreckten Kurve, die direkt in die Zielgrade mündet – und in steifen Gegenwind. Sandra hält dennoch konsequent die Schlagzahl von über 30 Schlägen, die Mannschaft folgt konzentriert. Die Mädels aus Southhampton verlässt die Kraft, plötzlich liegt Wasser zwischen den Achtern. Doch das Adrenalin reicht, um gleich das nächste Boot anzugreifen: Zwischen dem Achter aus York City mit der Startnummer 36 und dem Dirndlachter liegt keine Länge mehr. Schon taucht die Boathouse Row mit all den altehrwürdigen Ruderclubs an der Steuerbordseite auf, wir packen den Endspurt an und überholen noch vor der Ziellinie.


Blattfarbe passend zum Trikot. So soll's sein.

Der Blick nach vorn übers Heck zeigt: Der Abstand zur Hannoveraner Crew ist eher gewachsen. Schönen Dank an die Sparringspartner auf der Strecke, die sich als gute Pacemaker herausstellten! Denn wenige Stunden später zeigt das Ergebnis: Wir haben unsere Leistung vom vergangenen Jahr bestätigt. Nach Platz 44 in 2011 nun Platz 40 für die MRC-Crew! Der Verlust von drei Plätzen angesichts der Startnummer 37 ist verschmerzbar: Unter anderem war die britische Nationalmannschaft in verschiedenen Booten am Start. Uns freut besonders die inoffizielle Deutschlandwertung: Wie schon 2011 war kein anderes deutsches Boot schneller als der Dirndlachter!

Wir sind gespannt wie sich die Jungs vom RVE in 2 Wochen beim „Männerrennen“ in London schlagen. Startnummer 79 von 404 Booten. Letztes Jahr erkämpften sie sich Platz 81.

Jutta Deuschl, Sandra Luptowitsch

zu den Ergebnissen im einzelnen