Strelitzer Seenplatte und Finow-Kanal - eine Bootstour

Zur traditionellen Altherren-Wanderfahrt des Rudervereins Esslingen fuhren am Sonntag, dem 17.5.2009, 13 Wanderruderer Richtung Berlin. Die 40- bis 76-jährigen erwartete eine Woche aktiver Freizeit in harmonischer Gemeinschaft. Ziel war dieses Jahr das nördlich von Berlin gelegene Seengebiet im östlichen Teil der Mecklenburgischen Seenplatte. Nach mehrstündiger Autofahrt war der Besuch des Schlosses Rheinsberg eine interessante und willkommene Unterbrechung. Weitere zwei Ruderkameraden waren aus Ratzeburg direkt angereist.

Am folgenden Morgen wurden die Boote am Großen Labussee eingesetzt und über den Woblitzsee - Finowsee - Großen Priepertsee - Ellbogensee - Ziernsee - Menowsee - Röblinsee - vorbei an Fürstenberg - Baalensee - Schwedtsee - zum Stolpsee gerudert. Die Seen sind jeweils mit Stichkanälen verbunden. Natur pur, mit Ruhe und Weite, mit Wäldern und Auen, mit Kuckuck, Enten und Störchen. Der Landausflug am folgenden Tag bringt weitere Eindrücke von der Uckermark und ihrer Perle Templin. Die Strecke der ehemaligen Zugverbindung zwischen Fürstenberg und Templin - 28 km - wurde von uns mit Draisinen befahren. Die Fahrt dauert ca. drei Stunden und ist ein riesiger Spaß. Beim Rundgang durch Templin beeindrucken das Rathaus und die Stadtmauer, die als eine der besterhaltenen mittelalterlichen Wehranlagen im norddeutschen Raum gilt.

An den folgenden vier Tagen erleben wir Wanderrundern in seiner schönsten Form, auch dank des guten Wetters. Vom Stolpsee aus geht die Fahrt zunächst auf dem Oberlauf der Havel vorbei an Zehdenick und Liebenwalde bis zur Einmündung der Havel in den Oder-Havel-Kanal. Danach rudern wir auf dem Oder-Havel-Kanal Richtung Osten bis zur Einmündung des Finow-Kanals und weiter auf dem Finow-Kanal bis zu dessen östlicher Einmündung in den Oder-Havel-Kanal, um dann, nach einer weiteren Richtungsänderung gen Westen, das Schiffshebewerk Niederfinow zu passieren. Die Havel ist im oberen Teil breit und windungsreich und fließt durch eine liebliche, waldreiche Landschaft. Nur einmal treffen wir auf Wanderruderer eines norddeutschen Vereins, ansonsten sind vorwiegend Paddler, private Motorboote, Charterboote und Ausflugsboote unterwegs. Die Begegnungen sind problemlos.

In den Schleusen, in denen es ja mitunter sehr eng zugeht - die Boote berühren sich fast - herrschen Rücksicht und ein kameradschaftlicher Ton. Wir haben insgesamt 22 Schleusen durchfahren, Schleusen mit Bedienung durch Schleusenwärter, Schleusen mit Selbstbedienung und am Finow-Kanal Schleusen, bei denen ein Schleusenwärter mehrere benachbarte Schleusen von Hand bedient. Hier sind längere Wartezeiten unvermeidlich.

Der Finowkanal ist eine der ältesten Wasserstrassen Deutschlands, erstmals erbaut 1605 -1620. Nach dem Verfall im Dreißigjährigen Krieg wurde der Kanal 1743 -1746 wieder ausgebaut. Die 15 Schleusen wurden nach und nach erneuert. Die älteste heute noch betriebene Finow-Kanal-Schleuse, erbaut 1831, befindet sich in Eberswalde. Nach Eröffnung der Oder-Havel-Wasserstrasse (Hohenzollernkanal) 1914 verlor der Finow-Kanal an Bedeutung, wurde aber in den letzten Jahren für die Freizeit-Schifffahrt wieder hergerichtet.

Durch das Schiffs-Hebewerk Niederfinow, erbaut 1927 - 1934, wurden wir in nur 5 Minuten 36 m nach oben in den Oder-Havel-Kanal gehoben. Nach einer kurzen Besichtigung der stillgelegten Schleusentreppe (4 Schleusen je 9 m Hubhöhe) endet der sportliche Teil der Wanderfahrt auf dem Oder-Havel-Kanal bei km 70,5 am Bootshaus der Kanuten des Eberswalder SV Empor. Gerudert wurde an 5 Tagen von 15 Ruderern je 149 km + je 28 km Draisinenfahrt, was eine Gesamtkilometerleistung von 2655 km ergibt.

Ein letzter Besuch gilt dem Kloster Chorin. Die mittelalterliche Klosteranlage ist Teil des Biosphärenreservats Schorfheide-Chorin. Das Zisterzienzerkloster ist das künstlerisch bedeutendste Zeugnis der frühgotischen Backsteinkultur im norddeutschen Raum. Im Dreißigjährigen Krieg wurde es teilweise zerstört und verfiel. Anfang des 19. Jahrhunderts wurden unter der Leitung von Karl Friedrich Schinkel erste Konservierungsmaßnahmen durchgeführt. Derzeit finden kulturelle Veranstaltungen statt - Choriner Musiksommer. Bei unserem Rundgang wurden gerade letzte Vorbereitungen für eine Faust-Aufführung getroffen.

Eine Wanderrudertour ist auch im höheren Alter eine abwechslungsreiche Freizeitgestaltung und bietet in einer kulturhistorisch bedeutsamen Gegend interessante Abwechslungen. Strelitzer Seenplatte und Finow-Kanal sind ein hochklassiges Freizeitgebiet für Wassersportler, aber auch für Radfahrer und Camper. Das verglichen mit Süddeutschland mäßige Preisniveau bildet einen weiteren Pluspunkt, um auch ohne sportliche Ambitionen einen Urlaub in diesem Teil Deutschlands ins Auge zu fassen.

Albrecht Füssenhäuser