Das richtige Bootsgefühl

19.10.2007

Der deutsche Sprint-Meister Florian Eberhardt vom RV Esslingen weiß, worauf es beim Rudern ankommt


Von Beate Wockenfuß


Esslingen - Es ist 8,20 Meter lang, 14 Kilogramm schwer - und das tägliche Arbeitsmittel von Florian Eberhardt. Jeden Nachmittag hebt der 19-jährige Ruderer vom RV Esslingen sein Boot, mit dem er kürzlich zum zweiten Mal in Folge deutscher Sprint-Meister geworden ist, vom Haken in der Halle auf der Neckarinsel, stemmt es über den Kopf und trägt es ins Freie - kein Problem für den muskelbepackten Ebersbacher. Dann geht ' s gemeinsam raus zum Trainieren auf den Neckar, vier Kilometer hinauf bis nach Deizisau und wieder zurück. Und wenn das Wetter passt, dann sogar gleich zwei Mal hintereinander. Dass das Wetter in den vergangenen Tagen gepasst hat, sieht man der Gesichtsfarbe des Sportlers deutlich an.
Und vom Spaß am Rudern zeugen die leuchtenden Augen, wenn der Gymnasiast von seinem Sport berichtet. Erst recht, wenn es um die deutschen Sprint-Meisterschaften Anfang des Monats in Krefeld geht. Wie schon 2006 in Essen war er im Einer erneut der Schnellste. „Dass ich das zum zweiten Mal geschafft habe, ist schon toll“, sagt der Athlet, zumal er im Gegensatz zum Vorjahr nicht so unbelastet auf die 430-Meter-Strecke gegangen sei: „Ich habe eine gewisse Erwartungshaltung gespürt.“ Und der daraus resultierende Druck machte ihn so nervös, dass er die direkte Qualifikation für das Finale verpasste und erst noch in den Hoffnungslauf musste. Den gewann er schließlich - genau wie das Rennen der besten Sechs.
Diese beiden Titel sind die größten Erfolge des Ebersbachers in seiner sportlichen Laufbahn, in der er schon einiges ausprobiert hat. Zunächst versuchte sich Eberhardt beim Handball, wechselte dann zum Kunstradfahren und später zum Radball. Als Zwölfjähriger landete er schließlich im Ruderboot. Beim Pfingstlager des RVE fing er für den Sport, den sein Vater damals schon betrieb, Feuer. „Man ist draußen in der Natur und es ist einfach ein schönes Gefühl, auf dem Wasser zu sein“, begründet er.

Kraft, Technik und Ausdauer

Auf Kraft, Technik und Ausdauer komme es beim Rudern an. Doch entscheidend sei auch das richtige „Bootsgefühl“, so Eberhardt. „In dem schmalen Boot ist es ziemlich kippelig, da braucht man Balance.“
Die muss er auch finden, wenn es um die Gewichtung von Schule und Sport geht. Im nächsten Jahr steht das Abitur an. „Mir ist beides wichtig, aber Schule hat schon Vorrang“, meint der Schüler der 13. Klasse des Gymnasiums in Zell. Denn er ist sich bewusst: „Mit Rudern lässt sich kein Geld verdienen.“ Dennoch schnupperte er kürzlich bei der Welt­elite mal etwas Wettkampf-Luft. Bei den Weltmeisterschaften im August in München war er als Helfer in der Zeitnahme eingesetzt. Doch Ambitionen, dort auch mal am Start zu sein, hat Eberhardt nicht. „Da muss man noch härter trainieren und außerdem ein ziemliches Tier sein“, erklärt er und lächelt verschmitzt. Für diese Saison ist zumindest erst mal Schluss. Bis zur nächsten Regatta im Frühjahr steht jetzt vor allem Krafttraining auf dem Programm - und Pauken fürs Abi.